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Die Krimskrams-Schublade – Der Ort, an dem alles landet, was nirgendwo hingehört

Autorenbild: jdolnicek
jdolnicek
23. Okt.
4 Min. Lesezeit

Was unsere Krimskrams-Schublade über Aufschieben und Loslassen erzählt

Eigentlich wollte ich nur eine Schere.

Mehr nicht.

Schublade auf und da ist sie wieder.

Diese eine Küchenschublade, die offenbar beschlossen hat, ein eigenes kleines Universum zu werden.

Drei Kugelschreiber, von denen vermutlich keiner mehr schreibt. Sieben Gummibänder. Zwei einzelne Batterien, natürlich weiss niemand, ob sie voll oder leer sind.

Ein Feuerzeug. Eine Bedienungsanleitung für ein Gerät, das wahrscheinlich längst nicht mehr existiert. Ein Schlüssel, dessen Herkunft seit Jahren ungeklärt ist.

Irgendwo ganz hinten liegt dieses kleine Plastikteil. Keine Ahnung, wozu es gehört.

Aber wegwerfen?

Auf keinen Fall. Das könnte noch wichtig sein.

Willkommen in der Krimskrams-Schublade,

dem Ort, an dem alles landet, was nirgendwo hingehört und Entscheidungen gerne einmal auf später verschoben werden.



Wenn die Küchenschublade zum Zwischenlager wird

Fast jeder Haushalt hat so einen Ort.

Vielleicht ist es bei Dir nicht die Küchenschublade. Vielleicht ist es eine Schachtel im Keller, ein Korb im Flur oder dieses eine Fach im Schrank, das man besser nicht zu schwungvoll öffnet.

Dort landen Dinge, für die wir gerade keine Entscheidung treffen möchten.

„Das brauche ich vielleicht noch.“

„Das schaue ich später an.“

„Ich weiss gerade nicht, wohin damit.“

Also legen wir es erst einmal irgendwo hin.

Nur vorübergehend natürlich.

Das Problem ist nur:

Vorübergehend kann erstaunlich lange dauern.

Und irgendwann liegt dort nicht mehr nur Krimskrams.

Dort liegen kleine, vertagte Entscheidungen.



Die Krimskrams-Schublade ist der Parkplatz unserer Entscheidungen

Eigentlich ist die Küchenschublade ziemlich clever.

Sie nimmt uns Entscheidungen ab. Zumindest für einen Moment.

Behalten oder wegwerfen? Brauche ich das noch? Wo gehört es hin?

Keine Ahnung.

Schublade auf. Rein damit. Schublade zu.

Problem gelöst. Oder eben nur verschoben.

Denn jedes Mal, wenn wir die Schublade wieder öffnen, begegnen uns dieselben Dinge und mit ihnen dieselben kleinen Fragen.

Genau deshalb finde ich solche unscheinbaren Orte in unserem Zuhause so spannend.

Sie erzählen manchmal erstaunlich viel darüber, wie wir mit Entscheidungen umgehen.

Manchmal ist die Krimskrams-Schublade nicht unordentlich. Sie ist einfach der Parkplatz für Entscheidungen, die wir vertagt haben.



Warum uns Loslassen bei kleinen Dingen so schwerfallen kann

Bei manchen Gegenständen ist die Sache klar.

Kaputt, Unbrauchbar , Weg damit.

Dann gibt es diese andere Kategorie.

Dinge, die theoretisch noch nützlich sein könnten. Irgendwann. Vielleicht. Unter Umständen.

Genau diese Dinge sind erstaunlich hartnäckig.

Denn beim Loslassen geht es nicht immer um den materiellen Wert eines Gegenstandes.

Manchmal geht es um Möglichkeiten, um Erinnerungen, um Sicherheit.

Oder einfach um den Gedanken:

„Was, wenn ich es irgendwann doch noch brauche?“

Also behalten wir.

Nicht unbedingt, weil wir den Gegenstand brauchen.

Sondern weil wir uns noch nicht entschieden haben.



Kleine offene Schleifen kosten Energie

Eine einzelne vollgestopfte Schublade verändert natürlich nicht unser Leben.

Aber viele kleine unerledigte Dinge können sich summieren.

Der Stapel Papier, den wir noch anschauen wollen.

Die Tasche, die seit Wochen ausgeräumt werden sollte.

Die Jacke, bei der wir seit Monaten überlegen, ob wir sie noch tragen.

Die Nachricht, auf die wir noch antworten möchten.

Die Entscheidung, die wir immer wieder verschieben.

Jedes einzelne Thema wirkt klein.

Doch gemeinsam erzeugen sie dieses Gefühl:

Da ist noch so viel offen.

Genau das kann erstaunlich viel Energie binden.

Nicht, weil wir unorganisiert sind.

Sondern weil unser Kopf all diese offenen Schleifen irgendwo mitträgt.



Ordnung bedeutet nicht, für alles eine perfekte Box zu besitzen

Wenn wir an Ordnung denken, sehen wir schnell perfekt sortierte Schubladen vor uns.

Kleine Fächer. Hübsche Behälter. Alles beschriftet.

Natürlich liegen sämtliche Gegenstände exakt im rechten Winkel.

Sieht wunderbar aus.

Nur lebt dort vermutlich niemand.

Für mich bedeutet Ordnung etwas anderes.

Ordnung soll den Alltag leichter machen.

Sie soll Orientierung geben.

Sie darf praktisch sein.

Vor allem darf sie zu den Menschen passen, die in diesen Räumen leben.

Vielleicht braucht Deine Küchenschublade deshalb gar kein ausgeklügeltes Ordnungssystem.

Vielleicht braucht sie zuerst etwas viel Einfacheres:

Entscheidungen.

Was brauche ich wirklich?

Was darf gehen?

Was gehört eigentlich an einen anderen Ort?

Was bewahre ich nur auf, weil ich mich bisher nicht entscheiden wollte?



Manchmal beginnt Klarheit in einer einzigen Schublade

Du musst nicht gleich die ganze Wohnung entrümpeln.

Du brauchst keinen freien Samstag.

Ganz bestimmt musst Du nicht plötzlich zehn Aufbewahrungsboxen kaufen.

Manchmal reicht eine einzige Schublade.

Nimm jedes Teil einmal in die Hand.

Nicht lange, nicht kompliziert.

Brauche ich es?

Hat es einen Platz?

Oder darf es gehen?

Dann beobachte einmal, was passiert.

Vielleicht wird nicht nur die Schublade leichter.

Vielleicht entsteht auch dieses kleine, wunderbar befriedigende Gefühl:

Erledigt.

Eine Entscheidung weniger, die irgendwo im Hintergrund herumliegt.



Mein Impuls für Dich

Vielleicht öffnest Du heute Deine eigene Krimskrams-Schublade.

Vielleicht findest Du darin Dinge, von deren Existenz Du längst nichts mehr wusstest.


Dann darfst Du Dich fragen:

Was bewahre ich auf, obwohl ich es eigentlich nicht mehr brauche?

Vielleicht sogar:

Welche Entscheidung habe ich nicht nur in dieser Schublade, sondern auch in meinem Leben auf später verschoben?


Denn unsere Räume erzählen manchmal mehr über uns, als wir denken.

Nicht, weil jede herumliegende Batterie eine tiefenpsychologische Bedeutung haben muss.

Sondern weil sich in unserem Umgang mit Dingen oft auch unser Umgang mit Entscheidungen, Veränderungen und Loslassen zeigt.

Manchmal beginnt neue Klarheit tatsächlich ganz unspektakulär:

Mit einer Schublade, die sich endlich wieder öffnen lässt, ohne dass einem drei Gummibänder und ein mysteriöser Schlüssel entgegenkommen.



Manchmal braucht es nur einen kleinen Impuls

Vielleicht gibt es auch in Deinem Zuhause einen Ort, der Dich schon lange nervt.

Eine Schublade. Einen Schrank. Einen Stapel. Einen Raum.

Vielleicht spürst Du, dass es dabei längst nicht mehr nur um die Dinge geht.

Genau dort setzt meine Arbeit an.

Gemeinsam schauen wir hin, wertschätzend, ohne Perfektionsdruck und mit einem Blick für das, was hinter dem sichtbaren Chaos steckt.


In einem unverbindlichen Kennenlerngespräch schauen wir gemeinsam, was Dich und Deine Räume gerade belastet und welche kleinen Veränderungen wieder mehr Klarheit und Leichtigkeit entstehen lassen können.

Denn manchmal braucht es nicht noch mehr Ordnungssysteme.

Manchmal braucht es einfach den Mut, eine Entscheidung zu treffen.

Von Herzen

Jeannette Usora Dolnicek




Wenn Dinge Geschichten erzählen

Vielleicht ist Deine Küchenschublade nicht der einzige Ort, an dem sich kleine Geschichten, aufgeschobene Entscheidungen oder Dinge „für später“ sammeln. Auch andere ganz alltägliche Gegenstände können uns überraschend viel darüber erzählen, was wir festhalten, verschieben oder längst loslassen dürfen.



Wenn Du noch ein wenig weiterstöbern möchtest, könnten Dich auch diese Gedanken begleiten:



Der Schlüsselbund – Über Türen, die wir öffnen und schliessen


Die Schachtel für später – Warum wir Dinge für ein Leben aufbewahren, das vielleicht nie kommt



Aquarell einer geöffneten Krimskrams-Schublade mit Kabeln, Schlüsseln, Notizen und kleinen Alltagsgegenständen.

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